Karatetraining




Training
Kihon
Kata
Kumite
Makiwara
Do



Training

Das Training des Geistes, des Charakters und der inneren Einstellung sind Hauptziele im Karate. Dies wird auch durch den Leitspruch der Japan Karate Association (JKA) dargelegt:

Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern liegt in der Vervollkommnung des Charakters des Ausübenden. Eine weitere Grundregel im Karate lautet

(Karate ni sente nashi), was soviel bedeutet wie: Es gibt keinen Initialangriff im Karate. Damit ist nicht das Training oder der Wettkampf gemeint, da ernsthafte Angriffs-Simulationen zu allen Budo-Künsten gehören. Der Satz verdeutlicht vielmehr den Kodex des Karatedo im täglichen Leben.

Das Karatetraining baut auf drei großen Säulen auf, dem Kihon, der Kata und dem Kumite.

Jedes Karatetraining beginnt und endet traditionell mit einer kurzen Meditation (mokuso). Danach wird eine rituelle Grußzeremonie (Rei) durchgeführt, in der sich Schüler und Meister voreinander und vor den alten Meistern und Vorfahren (im Geiste, repräsentiert an der Stirnseite, dem Shomen des Dojo) verneigen. Dabei werden zuerst die Vorfahren "Shomen ni Rei" und danach der Meister, der das Training leitet "Sensei ni Rei" begrüßt. Falls ein höherer Schüler das Training leitet, wird dieser mit "Sempai ni Rei" begrüßt. Wie in allen anderen Do-Künsten üblich wird im Umgang der strenge Kodex des Reishiki und das Dojokun beachtet.

Jetzt erfolgt ein kurzes und leichtes Aufwärmen und Stretching (ca. 10 Minuten). Danach "richtiges" Aufwärmen des Körpers, ebenfalls ca. 10 Minuten. Jetzt ist der Körper bereit und die eigentliche Trainingseinheit kann beginnen.

Nach dem Training folgen nochmal 10 - 15 Minuten Stretching und Krafttraining. Am Ende wird die Einheit wieder mit einer kurzen Meditation (mokuso) beendet. Vor der rituellen Grußzeremonie wie am Anfang erfolgt jetzt noch das Dojokun, ein Aufruf an die traditionellen Leitsätze und zur Verinnerlichung des Do.

Während dem Training trägt jeder Karateka ein Karate-Gi, bestehend aus einer einfachen an der Hüfte geschnürten weißen Hose, Zubon, früher bestehend aus Leinen, heute aus Baumwolle und einer Jacke, Uwagi genannt, aus dem gleichen Material. Gehalten wird die Jacke (meist neben einer leichten Schnürung) durch einen gefärbten Gürtel, dem Obi.

Kihon

heißt Grundlage oder Quelle, Ursprung (des Könnens) und wird häufig auch als Grundschule des Karate bezeichnet. Es umfasst die grundlegenden Techniken, die das Fundament des Karate bilden. Die einzelnen Techniken werden immer wiederholt, entweder langsam oder schnell, kraftvoll oder leicht/locker. Der Bewegungsablauf der einzelnen Technik wird in alle Bestandteile zerlegt und es wird versucht die Ideallinie der Bewegung zu finden, wobei es immer etwas zu optimieren gibt. Der Bewegungsablauf muss optimal verinnerlicht werden - reflexartig abrufbar, da für Denken, Planen und Handeln in einem realen Kampf zu wenig Zeit ist. Einatmung, Ausatmung, maximale Anspannung des ganzen Körpers im Zielpunkt. Kraftzentrum und Schwerpunkt liegen im Hara (ca. 2 cm unter dem Bauchnabel). Eine gute Gleichgewichtsbalance ist erstrebenswert und der innere Schwerpunkt muss gefunden werden. Die Haltung soll aufrecht sein.

Die Wiederholung der Bewegungen, in Kihon und Kata wird von manchen Meistern als Meditation betrachtet. Das Ki, also die Energie des Körpers, das Bewusstsein, das sich beispielsweise in Koordinations- und Reaktionsvermögen äußert, sollen durch körperlich anstrengende, konzentrierte und dynamische Bewegungen gestärkt werden.

Kata

bedeutet Form oder Gestalt. Eine Kata ist ein stilisierter und choreographierter Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner, der einem festgelegten Muster im Raum, Embusen genannt, folgt. Verschiedene Stilrichtungen üben im allgemeinen verschiedene Kata, jedoch gibt es auch viele Überschneidungen, Varianten und unterschiedliche Namensgebung. Kata entwickelten sich wie bereits im Abschnitt Geschichte erwähnt zur komprimierten Weitergabe der Techniken einer Schule oder eines einzelnen Meisters ohne die Notwendigkeit schriftlicher Aufzeichnung. Wenn man den Begriff Kata auseinander nimmt, dann bedeuten beide Silben: Ka= Gott, Ta= Feld. Dies heißt, dass sich der Kämpfer, auch bei hoher Technischer Präzision, immer wieder auf die Grundformen konzentrieren muss.

Die vier Elemente der Kata

Bunkai

(Analyse, Zerlegung) bezeichnet die Analyse der einzelnen fest vorgeschriebenen Katabewegungen ohne irgendeine Abwandlung der Bewegungen. Diese Analyse der Kata bezeichnet man als Genki Modell. Sie bezeichnet die Urform bzw. den Ursprung der Kata.

Oyo

Oyo verlässt das Genki Modell indem dem Übenden individuelle Modifizierungen innerhalb der vorgeschriebenen Katabewegungen erlaubt werden. Manche Bunkai Techniken berücksichtigen z.B nicht den Größenunterschied zwischen Tori und Uke. Einer der beiden Partner modifiziert die Technik auf eine andere Schlag oder Trittstufe als die durch die Kata fest vorgegebene. Der Karateka modifiziert und optimiert die Kata auf seine Körpergrösse und verlässt damit das Genki Modell.

Henka

Die Ausführung der Kata und Ihr Ausdruck werden trotz absolut gleichen Begegungsabläufen der Ausführenden niemals gleich aussehen. Die Akzentuierungen innerhalb der Bewegungsabläufe, die eingesetzte Kraft in den Einzeltechniken, die individuelle koordinative Befähigung, die Gesamtkonstitution und viele weitere Aspekte bewirken das eine Kata von zwei Karatekas vorgetragen niemals gleich sein kein. Henka beschreibt wie der Ausführende die Kata präsentiert und auch wie er sie sieht.

Kakushi

Jede Kata beinhaltet Omote ( Sichtbarer Teil ) und Okuden ( Unsichtbarer Teil ). Kakushi beschäftigt sich mit Techniken die zwar immer im Genki Modell vorhanden sind aber im verborgenen schlummern, da sie nicht offensichtlich sind. Diese auch als Hidden bezeichnete "Supertechnik" ( Bezeichnung durch Shihan Nöpel ) eröfnett sich nur wenn der Meister auf diese verweist. Kakushi wird traditonell ab 4. Dan Meistergrad vermittelt, da dieser auch als Dan des technischen Experten bezeichnet wird.

Alle 27 Shotokan-Katas können in ihrem Ablauf hier eingesehen werden.

Kumite

bedeutet wörtlich verbundene Hände und meint das Üben bzw. den Kampf mit einem (selten mehreren, siehe Bunkai) Gegnern.

Es gibt verschiedene Formen des Kumite die mit steigendem Anspruch von einer einzigen, abgesprochenen, mehrfach ausgeführten Technik bis hin zu freien Kampf in ihrer Gestaltung immer offener werden:

Bei Verteidigungstechniken werden hauptsächlich die Arme zu Blocktechniken verwendet. Würfe, Hebel, harte, weiche Blockbewegungen oder auch nur Ausweichen, meist in Kombination mit Schritt- oder Gleitbewegungen. Eine Blockbewegung kann auch als Angriffstechnik ausgeführt werden. Ein sehr gutes "Auge" vorausgesetzt, wird dazu der Angriff des Gegners im Ansatz mit einer Abwehrbewegung oder einem Gegenangriff gestoppt.

Beim Angriff wird versucht, die ungedeckten Bereiche bzw. durch die Deckung hindurch den Gegner zu treffen. Es soll möglichst mit absoluter Schnelligkeit und mit höchster Vorspannung, konzentriert angegriffen werden. Der Kraftpunkt liegt am Zielpunkt der Bewegung. Erhöhter Krafteinsatz während der Bewegung führt zu Schnelligkeitsverlusten. Das Prinzip der Angriffstechnik gleicht dem des Pfeiles eines Bogenschützen bei Schlag- und Stoßtechniken und dem einer Peitsche bei geschnappten Techniken.

Yakusoku-Kumite

(abgesprochenes Kumite) ist die erste Stufe der am Partner/Gegner angewandten Technik. Dabei folgen beide Partner einem vorher festgelegten Ablauf von Angriff- und Verteidigungstechniken, die in der Regel im Wechsel ausgeführt werden. Ziel dieser Übung ist es, die Bewegungen des Partners/Gegners einschätzen zu lernen, sowie die eigenen Grundschul-Techniken in erste Anwendung zu bringen, ein Gefühl für Distanz und Intensität zu erhalten.

Randori

(Unruhen/Ungeordnetes abfangen) ist eine freie Form des Partnertrainings, bei der es darum geht ein Gespür für den Fluß eines Kampfes, der Bewegungen und der eingesetzten Energie zu bekommen. Dabei ist es nicht zielführend, wie im Kampf Treffer um jeden Preis zu vermeiden, sondern es ist ausdrücklich erwünscht, daß die Trainierenden Treffer bei gut ausgeführten Angriffen auch zulassen. Es sind keine Vorgaben bezüglich der einzusetzenden Techniken gemacht. Die Übenden sollen vielmehr das spontane Handeln aus den sich ergebenden Situationen erlernen. Das Randori sollte locker und gelassen sein, einen freien Fluss der Techniken ermöglichen und keinen Wettkampfcharakter annehmen.

(Frei-)Kampf

Der Freikampf imitiert entweder reale Selbstverteidigungssituationen oder dient dem Wettkampf bzw. dessen Vorbereitung. Im Freikampf kommen Taktiken des Sen no Sen und Go no Sen zur Anwendung.

Kennzeichnend im "traditionellen" Karate ist der beabsichtigte Verzicht auf Treffer-Wirkung am Gegner. Absolut notwendig ist die Fähigkeit, Angriffstechniken vor dem Ziel, (Körper des Gegners) mit einer "starken" Technik zu arretieren, da ohne Hand- und Kopfschutz geübt wird. Treffer-Wirkung ist ein Regelverstoß. "Schwache" Techniken führen zu keiner Wertung.

Vollkontakt-Karate-Kampfsysteme gestatten und beabsichtigen in der Wettkampfordnung die Trefferwirkung. Viele dieser Stilrichtungen verwenden dazu auch Schutzausrüstungen wie Kopf- und Gebißschutz sowie einen speziellen Handschuh der die Fingerknöchel und den Handrücken polstert. Wird der Freikampf als Wettkampf durchgeführt so gibt es feste Regularien die beispielsweise Würfe über Hüfthöhe, Tritte zum Kopf, sowie Techniken gegen den Genitalbereich oder mit offener Hand zum Hals geführte Schläge aus Sicherheitsgründen verbieten. Ohne Handschuhe sind Angriffe mit den Händen oder Fäusten zum Kopf verboten, wie im Kyokushin-Kai, oder es werden komplette Schutzausrüstung mit Helm, Weste, Tiefschutz, Unterarm- und Schienbeinschoner und ev. ein Spannschutz verwendet, wie auch im Taekwondo.

Makiwara

Ein im Boden fest verankertes Brett, aus elastischem Holz, z.B. Esche oder Hickory, mit Stoff, Leder o.ä. umwickelt, auf das man schlägt und tritt. Die Elastizität des Holzes verhindert einen harten Rückstoß in die Gelenke. Die Verletzungsgefahr, Hautabschürfungen und Gelenkversetzungen, ist am Anfang recht hoch. Dieses Training fördert den Knochenaufbau der Unterarme. Die Armknochen bestehen aus fast holen Knochen, die durch Calcium-Verbindungen gestärkt werden. Bei der Belastung, durch einen Schlag oder Tritt, werden diese Stellen, vom Körper "verdickt", es lagert sich also mehr Calcium in dem Knochen an. Dieser wird dadurch härten.

Do

Das Prinzip des Do findet sich in allen japanischen Kampfkünsten wieder und ist unmöglich umfassend zu beschreiben. Do ist die japanische Lesart des chinesischen Tao, das mit dem gleichen Zeichen geschrieben wird. Es bedeutet Weg; nicht nur im wörtlichen Sinne also Straße, sondern auch mit der übertragenen Bedeutung des Lebensweges, der Lebenseinstellung. Dahinter stehen einerseits das taoistisch-schicksalhafte Prinzip, dass das Tao, der Weg, vorgezeichnet ist und die Dinge in ihrer Richtigkeit vorbestimmt; sowie die Einstellung des Nichtanhaftens und der Nichtabhängigkeit von allen Dingen, Gegebenheiten und Bedürfnissen, die im Zen-Buddhismus gelehrt wird. Der Kodex des Bushido geht noch weiter: Der Krieger der Bushido verinnerlicht hat, befreit sich damit nicht nur von allen materiellen Bedürfnissen, sondern von dem Begehren um jeden Preis zu leben. Das Ende des eigenen Lebens wird damit nicht unbedingt erstrebenswert, aber auf jeden Fall eine zu akzeptierende Tatsache und der Tod birgt keinen Schrecken mehr. Diese Haltung war im alten Japan eine hochangesehene geistige Einstellung, die sich in vielen martialischen Verhaltensweisen wie dem Seppuku manifestierte. Dies darf jedoch auf keinen Fall als Geringschätzung gegenüber dem eigenen Leben oder dem eines anderen aufgefasst werden. Im Gegenteil: Die Aufopferung des eigenen wertvollen Lebens wog vielmehr jede Schmach auf, die ein Krieger zu Lebzeiten auf sich geladen hatte. Das Seppuku, also der rituelle Selbstmord, befreit den Krieger von Schuld und Schande und stellte seine Ehre wieder her.

Das Do-Prinzip impliziert nun viele verschiedene Konzepte und Verhaltensweisen. Hier einige Aspekte:


© by Stephan Pilz